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Am Arsch
Ich habe mich entschieden, mir den Arsch wieder selber zu wischen. Theoretisch kann ich der Ökonomik des Arschwischen selbstverständlich folgen. Es macht Sinn, dass ich mich auf meine Kernkompetenzen konzentriere und alle anderen Aufgaben delegiere. Die Wertschöpfung, die ich generiere während ich an einem neuen Produktdesign brüte, ist ohne Frage höher, als wenn ich meinen eigenen Arsch wische. Nicht jeder verfügt über meine Kreativität, während jeder Ärsche wischen kann. So müsste ich auch beim Scheissen mit meiner Tätigkeit genügend Wert schöpfen, um mir mein Geld zu verdienen und daneben auch noch einem Arschwischer, der sonst keine Chance auf ein Auskommen…
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Am Check-Out
Eigentlich weiss Andreas, was als nächstes passieren wird, als er mit seinem Bierkarton am Check-Out steht und seinen Unterarm an den Scanner hält. Trotzdem ist er irgendwie überrascht, als der Automat ihn anspricht mit: «Wir können Ihnen das Bier leider nicht verkaufen. Die Therapie Ihrer Alkoholprobleme ist noch nicht abgeschlossen.» «Aber das Bier ist nicht für mich bestimmt, ich habe Freunde zum Grillen eingeladen.» Versucht sich Andreas zu rechtfertigen. Sein Verdacht, dies könnte nicht funktionieren, ist nicht unbegründet, denn er bekommt zur Antwort: «Das ist wenig plausibel. Ihre engsten Freunde weilen noch im Urlaub. Bitte bringen Sie das Bier ins…
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Ich werde Lehrer
Warum ich in den Lehrerberuf wechseln will? Das ist einfach! Als ich damals zur Schule ging, wurden wir danach beurteilt, ob Aufgaben richtig und Lösungswege korrekt waren. Ein zufällig richtiges Resultat war nicht akzeptabel. Darauf vertrauend, dass im richtigen Leben die gleichen Massstäbe gelten würden, glaubte ich mich gut fürs Leben gerüstet. Dem war natürlich nicht so. Der Versuch, eine richtige Lösung im richtigen Leben zu finden, zahlt sich nicht aus. Was richtig oder falsch ist, ist im richtigen Leben schon mal gar nicht so einfach zu eruieren. Und während man sich die Zeit nimmt, der richtigen Lösung nachzuspüren, haben…
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Im Zirkus
Als nächstes steht die Trapeznummer auf dem Programm. Ich hasse Trapeznummern. Sie grenzen an die absolute Peinlichkeit. Kaum eine Nummer, bei der nicht ein oder zwei Artisten ins Auffangnetz fallen. Man spürt förmlich, wie die Zuschauer die Artisten am liebsten auspfeifen würden. Den Mut dazu haben sie natürlich nicht. Ein Zeitungskommentator hatte es allerdings einmal gut auf den Punkt gebracht, als er meinte, er warte auf den Tag, wo sich Artisten dafür applaudieren lassen, dass sie sich im Netz ausruhten. Was die Artisten wohl denken? Die Auffangnetze wurden ihretwegen eingeführt. Nicht weil es häufig zu schweren Unfällen gekommen wäre, diese…
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Dog Walkers
Die Befürchtung, dass Maschinen Menschen vollständig ersetzen und aus dem Arbeitsprozess verdrängen werden, ist übertrieben. Es ist eines, Bargeld am Automaten zu beziehen. Aber die Vorstellung, dass ein Roboter meinen Hund spazieren führt, ist absurd. Der menschliche Bezug ist für die Entwicklung eines Hundes zu wichtig, als dass ich diese Aufgabe einem Roboter überlassen würde.
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Noch 1000 Schritte
Ich habe mir dieses App heruntergeladen, mit dem man seine Schritte zählen kann. Aber ich habe den Fehler gemacht, dem App zu erlauben, die Daten meiner Krankenversicherung zu übermitteln. Eigentlich kannst Du nur gewinnen, hatte ich mir gesagt. Machst Du die 10’000 Schritte am Tag, kriegst Du den halben Euro gutgeschrieben, Schaffst Du es nicht, ist nichts verloren. 10’000 Schritte, habe ich mir gedacht, die machst Du locker. Morgens und abends den Kilometer zur Bahnstation, mittags zweimal die 500 Meter zur Kantine und zurück. Das müsste schon mal gute 6000 Schritte ergeben. Dann noch einige Male die dreissig Schritte zur…
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Der Liebe Gott
Ich stelle mir vor, Gott würde beginnen, die Gravitationskonstante dynamisch festzulegen. Er würde dabei streng darauf achten, wie gut wir mit seinem Auftrag: „füllt die Erde und macht sie euch untertan“ voran kommen. In schwierigen Zeiten reduzierte er die Gravitation, damit uns alles etwas leichter fallen würde. Werden wir auf der anderen Seite zu übermütig und behandelten die Erde eher wie einen Sklaven denn wie einen Untertanen, würde er die Gravitation erhöhen. Er würde das zuerst ein bisschen tun und man würde es kaum wahrnehmen. Vielleicht daran, dass geostationäre Satelliten sich zu bewegen beginnen, da sie auf tiefere Umlaufbahnen gezogen…
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Dumpf-Tracker
Erstaunlich, wie die Beurteilung von Persönlichkeiten in der Geschichtsschreibung ändern kann. Als Präsident Dumpf sein Amt mit den Worten „Ich bin nicht länger bereit Präsident eines Landes zu sein, das mir nicht folgen will“ quittierte, waren sich Kommentatoren einig, dass er in die Geschichte eingehen wird, als der Präsident, der sich wie ein Elefant im Porzellanladen, durch unkluge Äusserungen bei öffentlichen Auftritten und seine berüchtigten Tweets, jeglicher Chancen für Allianzen beraubt und damit selber in die Handlungsunfähigkeit manövriert hatte. Heute wird Präsident Dumpf mit dem Anfang vom Niedergang der Twitter-Politiker verbunden. Der aufmerksame Politikbeobachter weiss natürlich, dass es den Twitter-Politiker…
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Der Flyer
Meine Freunde haben mir zu meinem fünfzigsten Geburtstag einen Flyer geschenkt. Ein Flyer ist ein Elektrofahrrad. Allerdings fährt es nicht von selbst, es unterstützt bloss. Wenn man tritt, steuert das Fahrrad elektrische Unterstützung bei. Es können verschiedene Unterstützungsgrade gewählt werden, aber die Unterstützung bricht ab, wenn man eine Geschwindigkeit von 25 km/h erreicht hat. Das faszinierende am Flyer sind nicht diese technischen Details. Nein, das faszinierende ist, wie der Flyer mein Fahrverhalten verändert hat. Anfänglich gab ich mich noch sportlich und wählte den tiefsten Unterstützungsgrad oder schaltete die Unterstützung ganz aus. Heute fahr ich nur noch mit höchster Unterstützung. Früher,…
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#MeToo
Es war an meinem fünfunddreissigsten Geburtstag. Wie in unserer Firma üblich trafen wir uns nach der Arbeit im Pub, wo ich die ersten beiden Runden Bier ausgab. Wie in unserer Firma üblich, wird man bei diesen Gelegenheiten von einzelnen Personen oder Grüppchen mit kleineren Geschenken bedacht. So wickelte ich aus einem der Papiere eine Dose. Eine Dose mit der Aufschrift „Hose aus der Dose“. Aus der Dose zog ich eine Unterhose mit der Aufschrift „Knackarsch“. Zugegeben ich war für meine fünfunddreissig Jahre gut in Form. Nur, die Girls aus meinem Team, die mir die Dose (resp. Hose) geschenkt hatten, waren…