• Ökozid

    Kann man meinen Abgang wirklich falsch verstehen? Eher scheint mir, will man sich mit der Vorstellung, jemand könnte aus ökologischen Motiven freiwillig aus dem Leben scheiden einfach nicht anfreunden. Dabei ist dies, konsequent durchgedacht, der einzig Weg seinen ökologischen Fussabdruck nachhaltig zu verringern. Alles andere ist Kosmetik. Sollte ich etwa drauf verzichten, Fleisch zu essen und auf Tofu umstellen? Würde das wirklich etwas helfen? Ja, vielleicht. Ein Bisschen. Die Sojabohnen würden trotzdem in Monokulturen auf überdüngten Böden produziert und durch die halbe Welt verfrachtet.  Sollte ich meinen Benziner verkaufen und ein Elektroauto erwerben? Die Werbung will mir weis machen, dass…

  • Die Schwefelgasblase

    Ich bin eine Schwefelgasblase, tief im Ozean von einem Vulkan geboren. Anfänglich ganz klein und von sicherer Dunkelheit umgeben. Mache mich von da langsam auf meinen Lebensweg. Wie ich älter werde, wachse ich und steige langsam aus der Dunkelheit auf. Steige weiter ohne mir dabei viel Gedanken zu machen. Es treibt mich ein bisschen links bisschen rechts, aber immer nach oben. Um mich wird immer heller und es wächst die grelle Gewissheit, dass ich immer höher steigen und endlich an der Oberfläche zerplatzen werde.

  • Odysseus

    Most investors believe that when investing in illiquid assets they are guaranteed to earn a so called illiquidity premium. First, that’s not true and second, it’s not so easy to get this insight across via purely economic arguments. I think a simple parable could be more convincing than sophisticated economics. Let’s look at a famous episode of Homer’s Odyssee to illustrate the point. It is well known that Odysseus – before passing the land of the sirens – had himself tied to the mast of his ship and the ears of his sailors plugged up with wax. In this way…

  • Desaster auf Planet Kolor

    Seit man sich erinnern kann, existierten auf Planet Kolor Rot, Gelb und Blau. Sie bewohnten unterschiedliche Regionen des Planeten und waren stolz auf ihre jeweiligen Eigenheiten. Rot war stolz darauf, dass seine Farbe morgens und abends als Morgenrot und Abendrot eine magische Stimmung verbreitete. Gelb identifizierte sich stark mit der goldenen Strahlkraft der Sonne, die jeden Tag so hell ausleuchtet. Und das Bewusstsein von Blau wurde dadurch gestärkt, dass seine Farbe den ganzen Himmel überspannte. Es kam selten vor, dass sich Partikel aus Blau in Rot oder Gelb finden liessen. Meist wurden sie durch seltsame Umstände oder übermässige Neugier in…

  • Am Arsch

    Ich habe mich entschieden, mir den Arsch wieder selber zu wischen. Theoretisch kann ich der Ökonomik des Arschwischen selbstverständlich folgen. Es macht Sinn, dass ich mich auf meine Kernkompetenzen konzentriere und alle anderen Aufgaben delegiere. Die Wertschöpfung, die ich generiere während ich an einem neuen Produktdesign brüte, ist ohne Frage höher, als wenn ich meinen eigenen Arsch wische. Nicht jeder verfügt über meine Kreativität, während jeder Ärsche wischen kann. So müsste ich auch beim Scheissen mit meiner Tätigkeit genügend Wert schöpfen, um mir mein Geld zu verdienen und daneben auch noch einem Arschwischer, der sonst keine Chance auf ein Auskommen…

  • Am Check-Out

    Eigentlich weiss Andreas, was als nächstes passieren wird, als er mit seinem Bierkarton am Check-Out steht und seinen Unterarm an den Scanner hält. Trotzdem ist er irgendwie überrascht, als der Automat ihn anspricht mit: «Wir können Ihnen das Bier leider nicht verkaufen. Die Therapie Ihrer Alkoholprobleme ist noch nicht abgeschlossen.» «Aber das Bier ist nicht für mich bestimmt, ich habe Freunde zum Grillen eingeladen.» Versucht sich Andreas zu rechtfertigen. Sein Verdacht, dies könnte nicht funktionieren, ist nicht unbegründet, denn er bekommt zur Antwort: «Das ist wenig plausibel. Ihre engsten Freunde weilen noch im Urlaub. Bitte bringen Sie das Bier ins…

  • Ich werde Lehrer

    Warum ich in den Lehrerberuf wechseln will? Das ist einfach! Als ich damals zur Schule ging, wurden wir danach beurteilt, ob Aufgaben richtig und Lösungswege korrekt waren. Ein zufällig richtiges Resultat war nicht akzeptabel. Darauf vertrauend, dass im richtigen Leben die gleichen Massstäbe gelten würden, glaubte ich mich gut fürs Leben gerüstet. Dem war natürlich nicht so. Der Versuch, eine richtige Lösung im richtigen Leben zu finden, zahlt sich nicht aus. Was richtig oder falsch ist, ist im richtigen Leben schon mal gar nicht so einfach zu eruieren. Und während man sich die Zeit nimmt, der richtigen Lösung nachzuspüren, haben…

  • Im Zirkus

    Als nächstes steht die Trapeznummer auf dem Programm. Ich hasse Trapeznummern. Sie grenzen an die absolute Peinlichkeit. Kaum eine Nummer, bei der nicht ein oder zwei Artisten ins Auffangnetz fallen. Man spürt förmlich, wie die Zuschauer die Artisten am liebsten auspfeifen würden. Den Mut dazu haben sie natürlich nicht. Ein Zeitungskommentator hatte es allerdings einmal gut auf den Punkt gebracht, als er meinte, er warte auf den Tag, wo sich Artisten dafür applaudieren lassen, dass sie sich im Netz ausruhten. Was die Artisten wohl denken? Die Auffangnetze wurden ihretwegen eingeführt. Nicht weil es häufig zu schweren Unfällen gekommen wäre, diese…

  • Dog Walkers

    Die Befürchtung, dass Maschinen Menschen vollständig ersetzen und aus dem Arbeitsprozess verdrängen werden, ist übertrieben. Es ist eines, Bargeld am Automaten zu beziehen. Aber die Vorstellung, dass ein Roboter meinen Hund spazieren führt, ist absurd. Der menschliche Bezug ist für die Entwicklung eines Hundes zu wichtig, als dass ich diese Aufgabe einem Roboter überlassen würde.

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