• Solange er noch steht

    Nein, ich will nicht ins Altersheim. Nein, es liegt nicht daran, dass ich mich nicht mit meinem Alter oder der Tatsache, dass ich bedürftiger werde, abfinden könnte. Auch nicht, dass mir das Essen nicht passen würde. Schon einige Zeit gehe ich zweimal die Woche zum Mittagessen in deren öffentlich zugängliches Restaurant. Es gibt dort zwar nur veganes Essen, aber ich muss zugeben, dass es ganz vorzüglich schmeckt. Nein, das Problem ist, dass im Altersheim der Zugriff auf Pornoseiten gesperrt ist. Ja, es mag etwas eigenartig anmuten, aber es kommt bei mir immer noch Erregung auf und Onanieren ist eine der…

  • Am Dorfrand

    Wir hatten uns nie gross Gedanken über die Wahl unseres Wohnortes gemacht. Wir mochten das Dorf, in dem wir aufgewachsen waren. Wir mussten drum auch nicht lange überlegen, als es darum ging, das Haus meiner Schwiegereltern zu übernehmen. Das Pendeln zur Arbeit in der Stadt beanspruchte zwar seine Zeit, aber wenn man sich’s einrichtet, kann man auch die Zeit im ÖV sinnvoll nutzen.  Das Haus war zu einer Zeit gebaut worden, wo Zonenpläne noch ein Fremdwort waren. So lag unser Grundstück mit dem Haus ausserhalb des Siedlungsrandes. Das hatte den enormen Vorteil, dass wir bei der Pflege des Umschwungs nicht…

  • Neue Erkenntnis

    Leben ist ungesund, sagt neue Studie.

  • Meine Partei

    Nein, ehrlich gesagt bin ich nicht in der Partei, weil mir Arbeiter so sehr am Herzen liegen würden. Eigentlich verabscheue ich diese. Sie sind ungebildet und einfach gestrickt, drücken sich politisch so unkorrekt aus, dass einem die Ohren schmerzen, messen die Qualität einer Mahlzeit an der Menge Fleisch, die gereicht wird und gut ist, was billig ist, egal wie oder wo es hergestellt wurden. Also ein ziemlich widerlicher Schlag Mensch, der uns sicher nicht in eine bessere Zukunft katapultieren wird. Was mich mit der Partei verbindet, sind die Leute, die da Politik machen. Alle haben Geschichte, Politologie, Jura oder sonst…

  • Die Bekehrung

    Ja, ich gestehe, ich gestehe alles, nehmt nur dieses glühende Eisen weg! Ja, ich habe Fleisch gegessen!Ja, ich bin mit dem Flugzeug gereist!Ja, ich habe von einem Porsche Cayenne geträumt!Ja, ich habt Schwulenwitze erzählt!Ja, ich habe Winnetou gelesen!Ja, ich habe mein Gesicht schwarz angemalt und Balthasar gespielt!Ja, ich habe Mohrenköpfe gegessen!Ja, ich habe Blues gespielt!Ja, ich habe im Winter Erdbeeren gekauft!Ja, ich habe unsere Katze im Freien jagen lassen!Ja, ich habe schon an der Börse Geld verdient!Ja, ich habe Kryptowährungen geschürft!Ja, ich habe warm geduscht!Ja, ich habe pornographische Magazine konsumiert!  Reicht Euch das? Ich kann noch viel mehr gestehen! Bleibt…

  • Gravitationsgesetze

    Das Gravitationsgesetz der Politik besagt, dass jeder Politiker zu Fall gebracht werden wird. Lange hatten wir gedacht, dass Christoph sich diesem Gesetz entziehen, respektive es widerlegen würde.  Schon im Gymnasium war er darauf bedacht, keine Fehler zu machen und nichts Falsches zu sagen. Er achtete peinlichst drauf Regeln einzuhalten. Eine Gesellschaft kann nur funktionieren, wenn sich alle an die Regeln halten, war sein Credo. Er konnte sich leidenschaftlich in Diskussionen einbringen, wählte aber seine Worte immer stets vorsichtig und achtete streng darauf, sachlich zu argumentieren. Wenn er glaubte, dass ihm zu einem Thema das Hintergrundwissen fehlt, gab er das offen…

  • Rede zum 1. August

    < Um die folgende Rede einordnen zu können, muss man wissen, dass die Schweizer am 1. August ihren Nationalfeiertag feiern. Zu diesem Anlass finden in (fast) allen Gemeinden 1. August-Feiern statt, an denen jeweils eine mehr oder weniger bekannte Persönlichkeit (häufig ein*e Politiker*in) eine Rede hält. Darin wird dann meist auf die Erfolgsfaktoren, die die Schweiz zur Schweiz gemacht haben, eingegangen und daraus Appelle für zukünftiges Handeln abgeleitet. Handeln, das sicherstellen sollte, dass die Schweiz eine prosperierende Nation bleibt. > Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, Liebe Andere, < Apelle gehen natürlich in ersten Line an stimmberechtigte Bürger*innen, aber je nach politischer…

  • Mädchen machen

    Wir wollen ein Mädchen machen. Also genauer gesagt, wir haben einen Jungen bekommen und würden ihn gerne zu einem Mädchen machen. Wir haben gelesen, dass Mädchen weniger häufig unter Lernschwäche leiden und drum besser durch die Schulzeit kommen. Sie haben auch ein geringeres Risiko, später kriminell zu werden.  Ja, also unsere Fragen ist eigentlich nur, was der ideale Zeitpunkt dafür ist. Ist es medizinisch einfacher, diese Umwandlung so früh als möglich zu machen oder ist ein späteres Alter besser geeignet. Wir haben uns gedacht, umso früher, umso besser, dann kann sich unser Kind als Mädchen wahrnehmen, während es sein Bewusstsein…

  • Balu

    Zum Glück habe ich Balu. Müsste ich nur von der Zuneigung meiner Mitmenschen leben, wäre ich schon lange an einer Überdosis Enttäuschung zugrunde gegangen. Im Gegensatz zu Menschen, hat mich Balu noch nie enttäuscht.  Menschen kann man einfach nicht trauen. Sie verfolgen eigene Interessen, sie änderen ihre Meinung, suchen laufen Abwechslung. Es fehlt ihnen schlicht der Sinn für Treue. Männern ganz besonders. Nicht so Balu. Ich kann mir nichts treueres vorstellen als Balu. Balu mag mal übermütig davonrennen, doch wenn ich ihn zurückrufe, kommt er nicht etwa mürrisch zurückgetrottet, sondern rennt mit der gleichen Begeisterung zu mir zurück, wie er…

  • Zeitenwende

    Wenn jemand nicht im Büro erschien, nahm man an, sie sei krank oder im Urlaub und man ließ sie in Ruhe. Heute nimmt man an, sie sei im Home Office und lässt sie nicht in Ruhe, auch wenn sie krank oder im Urlaub ist.

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