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Die Metamorphose
Wir waren alle hell begeistert von Adrians Wandel. Bis da war er hauptsächlich durch abschätzige Bemerkungen zu Diversity-Initiativen von Konkurrenten aufgefallen. Wann immer das Thema zu Sprache kam, blockte er mit: «Ich will mir doch nicht vorschreiben lassen, wie ich meine Belegschaft zusammenstelle!» Ganz allgemein zeichnete er sich nicht durch Offenheit gegenüber neuen Ideen aus. So findet er die Forderung nach einem Vaterschaftsurlaub totalen Schwachsinn und wer nicht wisse, ob er Frau oder Mann sei, erachtete er als krank. Aber auch Vorschläge, firmeninterne Abläufe zu verbessern, stossen auf wenig Verständnis. Wer hier die Firma führe, bekamen wir in der Regel…
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Tod des Grossvaters
Ich verstehe, dass mich die Leute im Dorf für verrückt halten. Jemand, der einen so verlotterten Hof, auf dem zudem der Fluch eines scheusslichen Verbrechens lastet, übernehmen will, kann nicht bei Sinnen sein. Aber das kollektive Gedächtnis entfernt sich mit der Zeit immer weiter von der realen Vergangenheit und macht gemeinhin anerkannten Narrativen Platz. So erzählt man sich die Geschichte, des kaltblütigen Sohnes und seiner habgierigen Frau, die auf brutale Weise – so brutal, man darf es nicht einmal beschreiben – den Vater umgebracht hatten, um den Hof zu erben. Was die Leute nicht erzählen, aber sicher einmal gewusst haben…
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Die Neophyten
Ich war eigentlich nie ein Freund von Naturfreunden. Mit diesem Getue um Bachputzete und Waldbereisungen konnte ich nichts anfangen. Aber Neophytenjagden finde ich geil! Dazu gestossen bin ich zufällig. Ein Freund hatte mich auf einen Aufruf in der Lokalpresse aufmerksam gemacht. Dieser lautete: «Helfen Sie uns, unsere Heimat zu bewahren». Und es wurde ausgeführt, dass sich einige der eingeschleppten Pflanzen aggressiv ausbreiten und einheimische Arten bedrohen. Dass das Aufspüren und Entfernen dieser Eindringlinge arbeitsintensiv sei und man daher unbedingt auf die Hilfe von freiwilligen Helfern aus der Bevölkerung angewiesen sei. Das sprach uns an. Man traf sich am letzten Samstagnachmittag…
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Tod der Familie!
Ich habe von einer besseren Welt geträumt. Begonnen hat mein Traum allerdings eher wie ein Albtraum. Ich habe eine dieser deprimierenden Studien gelesen – oder wurde sie präsentiert, – die einem vor Augen führen, dass von Chancengleichheit noch immer keine Rede sein kann. An eine feurige Diskussion mag ich mich erinnern. Wohl wurde die Studie also doch eher einer Gruppe, von der ich Teil war, präsentiert. Empörte Ausrufe folgten der Präsentation: «Was haben wir nicht schon alles versucht?!» «Allen Schülern haben wir kostenlose Lernhilfen zur Seite gestellt.» «Studiengebühren haben wir abgeschafft!» «Alles ohne Erfolg!» Noch immer schafft es nur ein Bruchteil aller Kinder, deren…
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klimaneutral
Hans hatte sich in den Kopf gesetzt, klimaneutral zu werden. Die Plastiktüte, die er sich über den Kopf stülpte und um den Hals luftdicht verschloss, sollte verhindern, dass mit seiner Atemluft weiter CO2 in die Atmosphäre entweichen kann.
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Die Auferstehung (Anon 20.1 – 20.12)
20.1: Nachdem Jesus tot und vom Kreuz genommen worden war, machte sich Kaiphas auf zu Hannas, um ihm die gute Nachricht zu überbringen. 20.2: Kaiphas sprach: Es wurde vollbracht. Wir stehen jetzt zwar in der Schuld der Römer, aber wir sind den aufwieglerischen Prediger los. 20.3: Hannas erwiderte ihm: Das hast Du gut gemacht mein Sohn. Vergiss die Römer. Auch ihnen war dran gelegen, einen Unruhestifter zu beseitigen. Ich fürchte nur, dass wir noch nicht am Ende sind. 20.4: Kaiphas schaute Hannas verständnislos an und fragte, was er damit meine. 20.5: Hannas erkannte, dass Kaiphas trotz diesem grossen Erfolg noch…
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Der Schriftsteller, die Toten und die Demut
Ich habe letzte Woche dieses Interview gelesen mit dem bedeutendsten Schriftsteller seines Landes. Er äussert sich über die Corona-Strategie seines Landes und sagt, die vielen Toten seien eine Folge eines Mangels an Demut und dass sein Land die Pandemie so schlecht gemeistert habe, weil es da immer zuerst ums Geld gehe. Das habe ich nicht verstanden und so genau hat das der Schriftsteller im Interview leider nicht ausgeführt. Meint er wirklich Geld oder meint er Kosten? Natürlich, da sind die Kosten für die Wirtschaft, das reimt auf Geld. Die Restaurants und kleinen Detailhändler die für immer schliessen müssen. Auch da…
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Die Lawine
Wir sitzen schon Tage untätig hier rum, ohne recht zu wissen, wie es weitergeht. Weder können wir auf die Pisten, noch können wir aus dem Tal ausreisen. Vor drei Tagen fiel der grosse Schnee, was die unvermeidliche Lawinengefahr brachte. Üblicherweise werden am Tag nach dem Schneefall, durch Sprengungen gezielt Lawinen ausgelöst, so dass danach die Pisten wieder ohne Gefahr befahren werden können. Diesmal fanden bis heute keine Sprengungen statt und wir sitzen hier rum, ohne recht zu wissen, wie es weitergeht. Als sich am ersten Tag nichts tat, wurde die Vermutung herumgereicht, die Sprengladungen könnten nicht ins Zielgebiet gebracht werden,…
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Déjà Vu
Wer kennt es nicht! Man tritt morgens aus dem Haus und ist überzeugt, diesen Morgen schon einmal gelebt zu haben. Man sitzt in einer Runde von Freunden und man könnte wetten, genau diese Rund schon einmal erlebt zu haben. Man betritt einen vermeintlich unbekannten Ort und ist überzeugt, schon einmal da gewesen zu sein. In diesen Momenten ist man versucht zu fragen, ob sich unser Leben nicht im Kreis dreht und sich immer wieder wiederholt, ohne dass wir dies wirklich realisieren. Dass man in einer Zeitschleife gefangen sein könnte, aus der man nicht entrinnen kann. Ob das Leben überhaupt einen…
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Kommissar Weder
Wenn Stefan nach dem skurrilsten Fall seiner Ermittlerkarriere gefragt wird, so kann er einige nennen. Je nach Erzähllust fällt seine Wahl dann auf den einen oder anderen Fall. Was genau den Ausschlag zur Wahl der einen oder eben der anderen Geschichte gibt, weiss Stefan nicht so genau. Sicher aber ist, dass in der Vorweihnachtszeit seine Wahl besonders häufig auf den zu Tode gefolterten Nikolaus fällt. Obwohl der Fall bis heute ungelöst bleibt, glaubt Stefan zwar nicht die verantwortlichen Personen, so doch deren Motiv und den Tathergang gut zu verstehen. Der Mord fällt in jene Zeit, in der sehr heftig und…