• Die Auferstehung (Anon 20.1 – 20.12)

    20.1: Nachdem Jesus tot und vom Kreuz genommen worden war, machte sich Kaiphas auf zu Hannas, um ihm die gute Nachricht zu überbringen. 20.2: Kaiphas sprach: Es wurde vollbracht. Wir stehen jetzt zwar in der Schuld der Römer, aber wir sind den aufwieglerischen Prediger los. 20.3: Hannas erwiderte ihm: Das hast Du gut gemacht mein Sohn. Vergiss die Römer. Auch ihnen war dran gelegen, einen Unruhestifter zu beseitigen. Ich fürchte nur, dass wir noch nicht am Ende sind.  20.4: Kaiphas schaute Hannas verständnislos an und fragte, was er damit meine. 20.5: Hannas erkannte, dass Kaiphas trotz diesem grossen Erfolg noch…

  • Der Schriftsteller, die Toten und die Demut

    Ich habe letzte Woche dieses Interview gelesen mit dem bedeutendsten Schriftsteller seines Landes. Er äussert sich über die Corona-Strategie seines Landes und sagt, die vielen Toten seien eine Folge eines Mangels an Demut und dass sein Land die Pandemie so schlecht gemeistert habe, weil es da immer zuerst ums Geld gehe.  Das habe ich nicht verstanden und so genau hat das der Schriftsteller im Interview leider nicht ausgeführt. Meint er wirklich Geld oder meint er Kosten? Natürlich, da sind die Kosten für die Wirtschaft, das reimt auf Geld. Die Restaurants und kleinen Detailhändler die für immer schliessen müssen. Auch da…

  • Die Lawine

    Wir sitzen schon Tage untätig hier rum, ohne recht zu wissen, wie es weitergeht. Weder können wir auf die Pisten, noch können wir aus dem Tal ausreisen. Vor drei Tagen fiel der grosse Schnee, was die unvermeidliche Lawinengefahr brachte. Üblicherweise werden am Tag nach dem Schneefall, durch Sprengungen gezielt Lawinen ausgelöst, so dass danach die Pisten wieder ohne Gefahr befahren werden können. Diesmal fanden bis heute keine Sprengungen statt und wir sitzen hier rum, ohne recht zu wissen, wie es weitergeht.  Als sich am ersten Tag nichts tat, wurde die Vermutung herumgereicht, die Sprengladungen könnten nicht ins Zielgebiet gebracht werden,…

  • Déjà Vu

    Wer kennt es nicht! Man tritt morgens aus dem Haus und ist überzeugt, diesen Morgen schon einmal gelebt zu haben. Man sitzt in einer Runde von Freunden und man könnte wetten, genau diese Rund schon einmal erlebt zu haben. Man betritt einen vermeintlich unbekannten Ort und ist überzeugt, schon einmal da gewesen zu sein.   In diesen Momenten ist man versucht zu fragen, ob sich unser Leben nicht im Kreis dreht und sich immer wieder wiederholt, ohne dass wir dies wirklich realisieren. Dass man in einer Zeitschleife gefangen sein könnte, aus der man nicht entrinnen kann. Ob das Leben überhaupt einen…

  • Kommissar Weder

    Wenn Stefan nach dem skurrilsten Fall seiner Ermittlerkarriere gefragt wird, so kann er einige nennen. Je nach Erzähllust fällt seine Wahl dann auf den einen oder anderen Fall. Was genau den Ausschlag zur Wahl der einen oder eben der anderen Geschichte gibt, weiss Stefan nicht so genau. Sicher aber ist, dass in der Vorweihnachtszeit seine Wahl besonders häufig auf den zu Tode gefolterten Nikolaus fällt. Obwohl der Fall bis heute ungelöst bleibt, glaubt Stefan zwar nicht die verantwortlichen Personen, so doch deren Motiv und den Tathergang gut zu verstehen.  Der Mord fällt in jene Zeit, in der sehr heftig und…

  • Check-In im Bienenhotel

    Es ist uns allen ein grosses Anliegen, Dir Horst, heute nach getaner Arbeit für Deinen unermüdlichen und kreativen Einsatz für unseren Quartierverein zu danken. Ohne Leute, die mit guten Ideen und viel Tatendrang etwas vorantreibe, kann kein Verein funktionieren.  Hatten wir anfänglich in unserer Euphorie die Biodiversität zu fördern, wohl etwas naiv geglaubt, es reichte überall im Quartier Wildbienenhotels aufzustellen, standen wir dann doch etwas ratlos vor der Tatsache, dass die Hotels auch nach drei Jahren unbenutzt blieben. Wenn, Du Horst, nicht gewesen wärst, würden wir uns wohl noch lange an den leeren Hotels stören. Es war Deine kluge Bemerkung,…

  • Bastelanleitung

    Reichen drei Typen, um eine Gesellschaft zusammen zu basteln? Typ 1: Schafft etwas und lässt andere daran teilhaben Typ 2: Schafft etwas und lässt andere nicht daran teilhaben. Typ 3: Erwartet, dass andere etwas schaffen, um daran teilhaben zu können. Oder braucht es: Typ 4: Möchte Geschaffenes konfiszieren, um es gerechter zu verteilen?

  • Die Stubenfliege

    Irgendwie hatten wir alle ein bisschen befürchtet, dass wir eines Tages zurückschauen und uns fragen werden, welcher Teufel uns da geritten hat. Aber es war eines dieser Themen, die nicht empirisch angegangen werden können, irgendwie sympathisch daherkommen und von einer kleinen Gruppe sehr enthusiastisch vertreten wird. Niemand konnte sich Argumenten wie dem Erhalt der Biodiversität oder einer Reduktion der Giftstoffausbringung in unsere Umwelt mit gutem Gewissen entgegenstellen.  Die Winter waren damals auch noch kalt genug, um die Wespenpopulationen regelmässig so zu dezimieren, dass sie im Sommer zwar ärgerlich, nicht aber zur Plage wurden. Das Verbot, Wespennester zu zerstören, wurde dann,…

  • Geschichten, die Corona schreibt

    Um mein Dilemma zu verstehen, muss man wissen, dass bei uns im öffentlichen Verkehr eine Maskentragpflicht herrscht. Als Pendler ist mir das natürlich bewusst. Ich trage in meiner Aktentasche auch immer einen gewissen Vorrat an Gesichtsmasken mit mir. Gerade bin ich allerdings nicht zur Arbeit unterwegs, sondern bin mit einem alten Freund verabredet. Wir wollen bei ihm den Bundesligafinal schauen. Er wohnt in von meinem Arbeitsort entgegengesetzter Richtung der Stadt. Ich bin natürlich nicht im Anzug unterwegs und trage auch die Aktenmappe nicht mit mir. Nur eine Kühlbox mit Bierflaschen. Die üblichen Automatismen spielen also nicht und ich stehe ohne…

  • Verheiratet, 2 Kinder

    Ein wenig ekelt es noch immer, einen Schwanz in den Mund zu nehmen und daran zu lutschen. Auch in den Arsch gefickt zu werden bereitet mir nicht wirklich Freude. Aber ich denke, dass ich mich daran noch gewöhnen werde. So, wie ich heute kein Problem mehr habe, einen Mann zu küssen. Ausbezahlt hat sich der Wechsel auf die Schwulenseite aber allemal. Bewerbungsprozesse verlaufen deutlich erfolgreicher, seit ich auf meinem Lebenslauf – da wo andere wohl «verheiratet, 2 Kinder» vermerken – «homosexuell» schreibe. Mir ist nicht entgangen, dass Gesprächspartner, die ich beim Bewerbungsgespräch treffe, diesen Vermerk eingekreist haben. Wenn da nicht…

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