• Check-In im Bienenhotel

    Es ist uns allen ein grosses Anliegen, Dir Horst, heute nach getaner Arbeit für Deinen unermüdlichen und kreativen Einsatz für unseren Quartierverein zu danken. Ohne Leute, die mit guten Ideen und viel Tatendrang etwas vorantreibe, kann kein Verein funktionieren.  Hatten wir anfänglich in unserer Euphorie die Biodiversität zu fördern, wohl etwas naiv geglaubt, es reichte überall im Quartier Wildbienenhotels aufzustellen, standen wir dann doch etwas ratlos vor der Tatsache, dass die Hotels auch nach drei Jahren unbenutzt blieben. Wenn, Du Horst, nicht gewesen wärst, würden wir uns wohl noch lange an den leeren Hotels stören. Es war Deine kluge Bemerkung,…

  • Bastelanleitung

    Reichen drei Typen, um eine Gesellschaft zusammen zu basteln? Typ 1: Schafft etwas und lässt andere daran teilhaben Typ 2: Schafft etwas und lässt andere nicht daran teilhaben. Typ 3: Erwartet, dass andere etwas schaffen, um daran teilhaben zu können. Oder braucht es: Typ 4: Möchte Geschaffenes konfiszieren, um es gerechter zu verteilen?

  • Die Stubenfliege

    Irgendwie hatten wir alle ein bisschen befürchtet, dass wir eines Tages zurückschauen und uns fragen werden, welcher Teufel uns da geritten hat. Aber es war eines dieser Themen, die nicht empirisch angegangen werden können, irgendwie sympathisch daherkommen und von einer kleinen Gruppe sehr enthusiastisch vertreten wird. Niemand konnte sich Argumenten wie dem Erhalt der Biodiversität oder einer Reduktion der Giftstoffausbringung in unsere Umwelt mit gutem Gewissen entgegenstellen.  Die Winter waren damals auch noch kalt genug, um die Wespenpopulationen regelmässig so zu dezimieren, dass sie im Sommer zwar ärgerlich, nicht aber zur Plage wurden. Das Verbot, Wespennester zu zerstören, wurde dann,…

  • Geschichten, die Corona schreibt

    Um mein Dilemma zu verstehen, muss man wissen, dass bei uns im öffentlichen Verkehr eine Maskentragpflicht herrscht. Als Pendler ist mir das natürlich bewusst. Ich trage in meiner Aktentasche auch immer einen gewissen Vorrat an Gesichtsmasken mit mir. Gerade bin ich allerdings nicht zur Arbeit unterwegs, sondern bin mit einem alten Freund verabredet. Wir wollen bei ihm den Bundesligafinal schauen. Er wohnt in von meinem Arbeitsort entgegengesetzter Richtung der Stadt. Ich bin natürlich nicht im Anzug unterwegs und trage auch die Aktenmappe nicht mit mir. Nur eine Kühlbox mit Bierflaschen. Die üblichen Automatismen spielen also nicht und ich stehe ohne…

  • Verheiratet, 2 Kinder

    Ein wenig ekelt es noch immer, einen Schwanz in den Mund zu nehmen und daran zu lutschen. Auch in den Arsch gefickt zu werden bereitet mir nicht wirklich Freude. Aber ich denke, dass ich mich daran noch gewöhnen werde. So, wie ich heute kein Problem mehr habe, einen Mann zu küssen. Ausbezahlt hat sich der Wechsel auf die Schwulenseite aber allemal. Bewerbungsprozesse verlaufen deutlich erfolgreicher, seit ich auf meinem Lebenslauf – da wo andere wohl «verheiratet, 2 Kinder» vermerken – «homosexuell» schreibe. Mir ist nicht entgangen, dass Gesprächspartner, die ich beim Bewerbungsgespräch treffe, diesen Vermerk eingekreist haben. Wenn da nicht…

  • Schokoköpfe

    Am Ende werde ich meine Fabrik wohl abfackeln müssen, um dem Spuk ein Ende zu bereiten, denn enteignen lassen werde ich mich nicht. Dass man mir verbieten will, Mohrenköpfe zu verkaufen, kann ich zwar auch nicht verstehen, dass man mir aber vorschreiben will, Schokoköpfe zu produzieren, ist definitiv absurd. Als Unternehmer sollte ich doch entscheiden können, ob ich ein Geschäft betreiben will oder nicht. Und wenn ich keine Mohrenköpfe verkaufen kann, weil dies jetzt verboten ist, sollte ich doch mein Geschäft einstellen können. Es werden dauernd Geschäfte geschlossen und dass dabei Arbeiter die Stelle verlieren, gehört dazu. Mich unter der…

  • Wir Bildungsnation

    Unser Land hat das höchste Bildungsniveau. Das lässt sich natürlich nicht an PISA-Studien ablesen. Dort geht es darum, gelerntes Wissen abzufragen. Das kann man einem Computer füttern. Aber am Ende ist entscheidend, was man aus diesem Wissen macht. Und da punkten wir. Man kann verschiedene Indikatoren heranziehen, aber nicht alle Zeiten eignen sich gleich gut, um sie zu beobachten. Die momentane Corona-Krise liefert dazu ein ideales Umfeld.  Man kann zum Beispiel bei den Leserbriefen in unserer Lokalpresse ansetzen. Da hat letzte Woche der Drogist aus unserem Nachbardorf fein säuberlich die Massnahmen der Landesregierung zerpflückt. Angefangen bei den Schulschliessungen bis zu…

  • Schnäppchen

    Wir lieben es, wenn’s was umsonst gibt. Drum werden wir über Ostern mit leeren Koffern in den Süden fahren und eine frische Ladung Corona nachhause bringen.

  • Die Zukunft

    Ich habe von einer Welt ohne Männer geträumt. Das heißt, nicht ganz, aber fast. Fürs Erste wird es nicht ganz ohne Männer gehen. Dass wir hier trotzdem klarsehen, fürs Funktionieren einer modernen Gesellschaft sind sie schon heute entbehrlicher. Keine Aufgabe, die wir Frauen nicht besser und umsichtiger erledigen würden. Es wird einfach noch einige Fortschritte beim Klonen benötigen. Bis dann werden wir Männer wohl oder übel für die genetische Vielfalt in der Fortpflanzung brauchen. Aber dadurch, dass wir kontrollieren, welche Embryonen zum Austragen freigegeben werden, können wir deren Anzahl auf ein Minimum beschränken. So können wir sie auch gesondert halten…

  • Männersorgen

    Ich kann nicht sagen: «Das war toll!», ohne mir den Vorwurf gefallen zu lassen, eine solch objektive Aussage auf Grund meiner subjektiven Wahrnehmung sei absurd.  Ich kann nicht fragen: «War es toll?», ohne mir vorwerfen zu lassen, es ginge mir nicht drum den Akt zu genissen, sondern immer nur darum meine Performance beurteilt haben zu wollen. Wenn sie sagt: «Es war toll!», kann ich nicht sagen: «Ja, es war toll!», ohne dass sie mir vorwirft, keine eigenen Worte zu finden, um meinem Empfinden Ausdruck zu verleihen. Wenn sie sagt: «Es war toll!», kann ich nicht nichts sagen, ohne dass sie…

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