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Mein Ende als Nikolaus
Ich vermisse meinen Job. Natürlich ist Nikolaus kein Full Time Job und daher hat das Ganze keine finanziellen Konsequenzen. Aber es geht mir nah, weil die Umstände – man könnte sagen – ungeklärt bleiben. Das Problem war, dass sich Reklamationen zu häufen begannen, dass ich nicht konzentriert arbeiten würde. Dazu muss man wissen, dass es in unserer Region der Brauch ist, dass der St. Nikolaus zu den Kindern nach hause in die gute Stube geht. Dabei bringt der den Kindern Lob und Tadel und danach, so quasi für die ausgestandenen Qualen des Verhörs auch noch kleine Geschenke, sicher aber Nüsse…
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Unsere Katze
Nein, unsere Kinder haben den Verlust unserer Katze noch immer nicht ganz überwunden. Wir haben zwar versucht, ihnen die Notwendigkeit, die Katze abzutun, so nachvollziehbar wie nur möglich zu machen, aber es ist doch auch verständlich, dass sie an der Katze hingen. Trotzdem war es uns auch wichtig, dass sie erkennen, dass Mitleid oder Nachsicht keine Probleme löst. Zudem haben wir, wage ich zu behaupten, auch sehr viel Geduld gezeigt. Sicher ist, unsere Katze bekam immer genügend Futter. Es gab für sie also keinen Grund, andere Tiere zu jagen, um sich zu ernähren. Ganz offensichtlich jagte, quälte und tötete sie…
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Die Unterführung
Ich bin mir nicht sicher, ob es mir gelang, der Erste zu sein. Auf der anderen Seite kann ich mir schwer vorstellen, dass jemand anderes so nahe an der Sache war, um schneller zu sein. Ab dem Zeitpunkt, als sie mit dem Bau unserer U-Bahnstation begonnen hatten, habe ich den Fortschritt der Bauarbeiten genausten verfolgt. Und ich kannte auch den genauen Einweihungszeitpunkt. Nicht, dass mich seither der Uringeruch in U-Bahnstationen weniger ekeln würde. Auch unser U-Bahnstation stinkt je länger desto jämmerlicher. Aber irgendwie ist es trotzdem ein verführerischer Gedanke, dass alle jene, die in die Station pinkeln im Prinzip Nachahmer…
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Der Tannenwald
In einem abgelegenen Tal der österreichischen Alpen gedeiht eine eigenartige Tannenart. Das Tal ist eng und von steilen, hohen Felswänden begrenzt, so dass Sonnenstrahlen auch im Sommer nur für wenige Stunden ins Tal gelangen. Tannen, welche die anderen Tannen überragen, geniessen unter diesen Bedingungen den Vorteil, dieses spärliche Sonnenlicht für sich zu beanspruchen. Diese Tannenart hat über die Zeit die Fähigkeit zu enorm raschem Wachstum entwickelt, denn die Tannen, denen es gelingt, in kurzer Zeit die anderen Tannen zu überwachsen, schaffen sich einen entscheidenden Vorteil. Oder anders formuliert: wer nicht schnell genug wächst, hat keine Überlebenschancen. Wachstumsraten von einem Meter…
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Das Grosse Innovationsspiel
Wer sich an den hohen Salären von Fussballprofis stört, dem ist wahrscheinlich nicht bewusst, welche enormen Innovationsschübe von diesem Sport ausgehen. Gehen wir zurück zu den Anfängen. Da wurde Fussball ausschliesslich durch Treten des Balles gespielt. Gelegentlich kam der Ball auch in Kontakt mit anderen Teilen des Körpers, was – ausser bei Handkontakt natürlich – nicht weiter Beachtung fand. Der Ball wurde entsprechend mehrheitlich tief gespielt. Aus heutiger Perspektive kann man sich da kaum vorstellen, wie revolutionär der bewusste Einsatz des Kopfes zur Verlängerung oder zur Veränderung der Flugbahn des Balles anmuten musste. Die gezielte Erschliessung der dritten Dimension durch…
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Big Business
Die Arbeit hier wird immer mehr zur Hölle. Unsere Chef wird immer unerträglicher. Früher sahen wir ihn selten im Büro. Oft kam er nur für eine Stunde oder zwei und verschwand dann wieder. Er wollte auch nie so genau wissen, wie wir mit unserer Entwicklungsarbeit voran kamen. Er begnügte sich mit der Frage: ”Kommt Ihr voran?” Die Antwort dazu wartete er nicht einmal ab. Heute ist dies ganz anders. In der Regel ist er bereits vor uns allen im Büro und noch bevor man richtig angekommen ist, bestürmt er einem mit der Frage: “Und, ist Dir eine Idee gekommen, wie…
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Spassgesellschaft
Leute haben mich schon als asozial betitelt, weil ich immer einen grossen Bogen um Leute mache, die Hilfe zu benötigen scheinen. Erst gestern wurde ich von der Bäckerin im Dorf angefeindet, weil ich einer älteren Dame, der Münzen aus ihrem Geldbeutel gefallen waren, nicht half, die Münzen aufzulesen. Solche Anschuldigungen tun mir weh. Es ist nämlich nicht so, dass mir diese Leute gleichgültig wären, aber sie lösen in mir eine alte Angst aus, eine Angst die jedes Mitgefühl in den Hintergrund drängt. Ich war damals zwölf Jahre alt und war mit meiner Mutter zum Einkaufen unterwegs. Da sprach uns ein…
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Unsere Familie
Früher hatte es Spass gemacht, mit meinem Bruder auf ein (oder zwei oder drei…) Bier zu gehen. Neben vielem Philosophischen gab es immer auch viel zu lachen. Seit dem Tod unserer Schwester allerdings bleibt das Lachen meist aus. Dafür versuche ich ihm Mal für Mal seine Schuldgefühle auszureden. Bis heute erfolglos. Natürlich kann man sich auf den Standpunkt stellen, dass er sie provoziert hat und hätte er dies nicht getan, wäre alles so nicht passiert. Würde sich unsere Schwester allerdings nicht immer so kompromisslos einer Idee verschreiben, hätte das Ganze trotzdem kein so böses Ende genommen. Eigentlich hätte man erwarten…
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Vom Segen des Internet
Nach Dekaden der Orientierungslosigkeit bringt uns das Internet endlich zurück, was uns die Aufklärung genommen hat. Über Jahrhunderte hatte die Religion die Sündhaftigkeit der Menschen im Zaun gehalten. Das Wissen darum, dass Gott allmächtig und allwissend ist und dass daher nichts vor Ihm verborgen bleiben konnte, wirkte disziplinierend. Es gab keinen verborgenen Gedanke, keine im Versteckten vollzogene Handlung, von der Er nicht Kenntnis haben würde. Alles was nicht den Geboten entsprach, wurde registriert und würde am Ende aller Tage abgerechnet werden. Wer konnte es wagen, unter solchen Umständen jemanden zu bestehlen oder sich selber zu befriedigen? Mit der Aufklärung und…
